Landesjugendring Hamburg e.V.
Heft 3-2010, Rubrik Titelthema

Nicht nur ein Internet-Portal

Wandel und Weiterentwicklung: Der Jugendserver des Landesjugendrings Saar

Von Claudia Eisenstein und Georg Vogel, Landesjugendring Saar

Auf fast zehn Jahre blickt jetzt der Jugendserver-Saar, das Internet-Projekt des Landesjugendrings zurück. Und es kann einem fast schwindlig werden, schaut man sich die Entwicklungsschritte dieses Medienprojekts genauer an. Denn seit dem Projektstart im Jahr 2001 schritt die Internettechnologie enorm voran. Nur zwei Beispiele: Damals hingen die meisten Rechner noch an einem Analog-Modem. Heutzutage geht ohne DSL fast nichts mehr. Erfreute man sich damals noch an Bildern neben den Texten, erwartet man heute einen kurzweiligen Videoclip zur Information. Und genauso rasant vollzog sich auch die Entwicklung des Jugendservers. Mit ihm gelang es immer wieder die neue Medientechnologie als Werkzeug in der Jugendarbeit zu nutzen und ihr damit wegweisende Impulse zu geben. Der Werdegang des Projekts belegt dies.

Das Fundament.
In der ersten Phase des Projekts von 2001 bis 2004 wurden die Fundamente für die Ausrichtung gelegt. Unser Ziel war es, die Chancen dieses neuen medialen Werkzeugs und seine innovativen Potentiale für die Jugendarbeit offensiv zu nutzen. Und so hieß es in der Vereinbarung aus dem Jahr 2000 mit dem Ministerium einvernehmlich aber noch recht allgemein: Der Landesjugendring Saar »führt ein Projekt durch, das mit Hilfe der Internet-Technologie eine saarländische Informations-, Kommunikations- und Kooperationsplattform für die Kinder- und Jugendarbeit und darüber hinaus die gesamte Jugendhilfe realisiert.«

Was hieß das nun konkret? Der erste Projektmitarbeiter Christian Becker realisierte mit dem Internet-Provider Deepweb ein Portal, das es technisch ermöglichte, eine große Anzahl Jugendarbeitsanbieter und Jugendhilfeeinrichtungen einzubinden. Was heute fast selbstverständlich klingt, stand damals noch in den Kinderschuhen. Für den Laien formuliert: Es bedurfte intelligenter Web-Seiten, die Inhalte möglichst automatisiert auf der Startseite und den Unterseiten verwalten (sogenannte Content-Managment-Systeme, CMS). Gleichzeitig sollte dieses System auch für nicht technisch versierte pädagogische Mitarbeiter einfach vom eigenen PC ohne zusätzliche Software mit dem Internet-Browser bedienbar bleiben. Dies alles wurde innerhalb eines dreiviertel Jahres umgesetzt und war Grundlage für den nachhaltigen Erfolg des Projekts. Denn nur so konnte es gelingen, in der Anfangsphase bis zu 100 aktive Redakteure/innen zu gewinnen, die Aktivitäten, Wissenswertes, Termine und Fotos einstellten. Und dies war der Ausgangspunkt dafür, dass aus dem Projekt mehr wurde als ein Internetportal. Es entwickelte sich auch zur Plattform für Medienkompetenz. Alleine schon der Aufbau des Portals und die Schulung neuer Redakteure/innen führten dazu, dass der Jugendserver die technische Internet-Kompetenz in den pädagogischen Bereich trug. Dort stieß er damals nicht selten auf pädagogische Bedenken und ideologische Hürden. Die besorgten Fragen lauteten: Darf man ein solches Medium mit fast grenzenlosem Angebot in Jugendeinrichtungen zugänglich machen? Müssen da nicht Filter eingebaut werden? Darf auf dem Jugendserver jeder ohne Kontrolle Inhalte einstellen?

Für die Einstellung von Inhalten im Jugendserver half ein Redaktionsstatut weiter, das im Wesentlichen heute noch gilt und in dem sich die Redakteure/innen u.a. verpflichten, ihre Informationen – wie Journalisten – sauber zu recherchieren und stilistisch gut lesbar zu publizieren. Bis heute gab es dabei mit den Redakteuren/innen keine gravierenden Probleme. Die beiden ersten Fragen beantwortete die Realität.

Das Portal wuchs und erfreute sich immer mehr Zuspruchs. Schnell waren über 3.000 Artikel im System, täglich kamen welche aus allen Teilen des Saarlandes dazu. In dem kleinsten Flächenland der Bundesrepublik mit etwas mehr als eine Million Einwohnern/innen schauten nach fünf Jahren bis zu 1.000 Besucher/innen täglich beim Jugendserver vorbei. Und damit wurde es für die Engagierten in der Jugendarbeit zunehmend wichtiger, ihre Aktivitäten vor Ort auch auf dem Jugendserver einzustellen und über sich zu berichten. Die Vielfalt der saarländischen Jugendarbeit wurde ein gutes Stück öffentlicher. Jugendserver-Foto-Teams – damals sehr modern – besuchten ausgewählte Events und produzierten E-Cards davon für den Jugendserver.

Kooperationen und Innovationen. Aber das Projekt beschränkte sich nicht auf das Portal, sondern befruchtete die Jugendarbeit mit weiteren Ideen. Auf Fachtagungen, so bereits 2005 beim Disput über die damals in Mode gekommenen LAN-Parties, betonten wir immer die Chancen sowie pädagogischen Potentiale und nicht nur die Gefahren. Dies ist nach wie vor bei solchen neuen jugendkulturellen Trends notwendig.

Zwei weitere Beispiele stehen für die Impulsgeber-Funktion des Jugendservers in die Jugendarbeit. So wurde das Projekt »Sofi« (Schülerorientierte Firmendatenbank) von 40 Schülern/innen aus dem Landkreis Merzig-Wadern in nur einer Projektwoche selbst realisiert. Der Inhalt: selbst vor Ort recherchierte Ausbildungsplätze, Praktika-Stellen- und Ferienjobs in 120 Firmen.

Mit dem »Wahl-O-Mat on tour« – in Kooperation mit Landes- und Bundeszentrale für politische Bildung und der Arbeitskammer des Saarlandes – wurde das reine Online-Modul »Wahl-O-Mat« bei saarländischen Landtags- und Bundestagswahlen in den realen Parteienwettstreit vor Ort überführt. Die Kandidaten/innen der Parteien stellten sich zu spannenden Diskussionen mit jungen Menschen in Schulen und Jugendeinrichtungen. Das Ganze wurde auf dem Jugendserver dokumentiert, und somit konnte der »Wahl-O-Mat«, der Positionen der Parteien transparent macht, im wortwörtlichen Sinn mit Leben gefüllt. Diese Zeit mit vielen neuen Kooperationspartnern verbindet sich mit Projektmitarbeiter Hans Wolf.

Das Portal heute. Nach wie vor steht das Internet-Portal im Mittelpunkt. Es orientiert junge Menschen im Alter zwischen 13 und 26 Jahren im Saarland – drum herum und darüber hinaus – über Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und bietet für die jeweilige Lebenssituation wichtige Informationen. Des Weiteren informiert das Portal alle ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen fachlich über alles Wissenswerte der (saarländischen) Jugendarbeit- und Jugendhilfe. Über 80 Redakteure aus verschiedenen Institutionen oder Jugendverbänden können derzeit selbstständig Artikel anlegen.

Technisch basiert der Jugendserver-Saar weiterhin auf einem CMS-System. Dieses wurde 2010 mit dem neuen Partner »One for vision« auf das Redaktionssystem Typo3 umgestellt, das die gemeinschaftliche Erstellung und Bearbeitung des Inhalts von Texten und Multimedia-Dokumenten ermöglicht. Zur Erstellung eines Artikels werden nach wie vor keine großen Vorkenntnisse benötigt: Wer sich z.B. mit Word auskennt, kann auch Artikel veröffentlichen. Jede/r Redakteur/in bekommt einen eigenen persönlichen Redaktionsbereich und kann darin alle selbst erstellten Inhalte (Artikel und Termine) verwalten. Um auf dem Jugendserver publizieren zu können, müssen sich Interessierte beim Projektbüro registrieren lassen und erhalten dann das Login für den persönlichen Redaktionsbereich.

Neun Jahre nach dem Start der Seite im September 2001 wurde der Jugendserver-Saar 2010 komplett neu gestaltet, und am 22. April mit neuem Design, Redaktionssystem und neuer inhaltlicher Aufteilung der Öffentlichkeit vorgestellt.
Das Design wurde dem momentanen Webseiten-Standard angepasst sowie der Zielgruppe entsprechend überarbeitet. Die vorhandenen Inhalte der alten Jugendserver-Version wurden neu geordnet. Auf eine bessere Auffindbarkeit und Präsentation der Artikel wurde dabei Wert gelegt.

Aktuelle Artikel über Veranstaltungen, Projekte, Aktionen und Interessantem für engagierte und nicht-engagierte Jugendliche sind im farblich rot gekennzeichneten Bereich »Aktuelles« zu finden. In einem weiteren Bereich, blau gekennzeichnet, befindet sich das »Wissen« – das »Lexikon« des Jugendservers-Saar. Neben jugendrelevanten Themen sind dort wichtige Informationen aus den unterschiedlichen Feldern der Jugendarbeit (Juleica-Handbuch, Rechtliches u.v.m.) auffindbar.

Neu auf dem Portal ist die Verortung von Artikeln und Terminen. So können Jugendliche gezielt nach Veranstaltungen in ihrem Ort suchen. Auf einer GoogleMap werden Termine in den 52 saarländischen Gemeinden angezeigt. Diese lokale Verortung von unterschiedlichen Terminen und Artikeln erleichtert nicht nur die Navigation, sondern unterstützt auch lokale Identität.

Ebenso wurde die Plattform um Web 2.0-Anwendungen ergänzt: Neben der Möglichkeit, Artikel direkt in Facebook oder Twitter zu verlinken, wird auch der Twitter-Account des Jugendservers-Saar direkt auf der Seite abgebildet. Stärker als bisher sind die unterschiedlichen Portale, die im Laufe der Jahre durch Projekte der Plattform entstanden sind, auf der Startseite eingebunden.

Medienkompetenz wird so in der ganzen Vielfalt des Begriffs praktiziert. Durch Projekte, Tagungen sowie Informationen auf dem Portal bedient der Jugendserver unterschiedlichste Komponenten der Medienkompetenz. Seit 2007 gibt es das Portal www.saarclip.de, das gemeinsam mit dem Jugendverband der saarländischen Jugendzentren (juz.united) gestartet wurde. Mit diesem Portal wird Web 2.0 konkret, denn Jugendliche können auf diesem Portal ihre selbst gedrehten Videoclips veröffentlichen. Hierzu gehört auch das Video-Projekt Fresh-TV, das u.a. den Jugendserver-Saar mit professionellen Kurzfilmen zur Jugendarbeit im Saarland versorgt.

Medienkompetenz in Sozialen Netzwerken. Mit dem Aufkommen der social communities und vielen Nachfragen aus Schulen und Jugendeinrichtungen, ob, ab wann und wie Jugendliche kompetent in »SchülerVZ«, »wer-kennt-wen«, »Facebook« und Co. unterwegs sein können, hat Claudia Eisenstein, die derzeitige Projektmitarbeiterin, Projekttage entwickelt, mit denen der Jugendserver noch stärker als bisher Medienkompetenzprojekte mit Jugendlichen ab 12 Jahre durchführt. KomComm, das Projekt zur Medien- und Sozialkompetenz in social communities behandelt die Schwerpunktthemen: Internetkompetenz, Sozialkompetenz innerhalb und außerhalb des Internets sowie Persönlichkeits- und Urheberrecht.
Ziel von in der Regel zwei Projekttagen ist es, die teilnehmenden Schüler/innen zu Multiplikator/innen auszubilden, um ihr Wissen dann z.B. den Eltern und interessierten Lehrern auf einem Elternabend weiter zu geben.

Und noch ein paar Portale. Neben der konkreten Vermittlung und Umsetzung von Medienkompetenz bietet der Jugendserver-Saar mit dem Portal www.datenparty.de Jugendlichen ein Informationsportal an, auf dem sie sich über den Schutz der eigenen Daten und Abzocke im Internet informieren können. Entstanden ist www.datenparty.de in Kooperation mit dem ehemaligen Datenschutzbeauftragten des Saarlands, Roland Lorenz.

Weitere Geschwisterportale, die im Rahmen von Projekten des Landesjugendring-Saar und Jugendserver-Saar entstanden, sind: das Gedenkstättenportal www.erinnert-euch.de und das Portal zum Beteiligungsprojekt »Ding dein Dorf«: www.dingdeindorf.de.

Der Jugendserver-Saar informiert also nicht nur, sondern er macht Jugendarbeit öffentlich, vernetzt sie, ist Plattform für jugendkulturelle Initiativen und entwickelt technische und inhaltliche Innovationen für die Jugendarbeit weiter. Er macht junge Menschen und ihre Pädagogen/innen im Saarland ein gutes Stück medienkompetenter.

Jugendserver-Saar – Klick dich rein!


Info

Jugendserver-Saar
Träger:
Landesjugendring Saar
Laufzeit: seit 2001
Kontakt: Jugendserver-Saar | Claudia Eisenstein | Eifelstraße 35 | 66113 Saarbrücken | Tel.: (0681) 753 47 50 | www.jugendserver-saar.de | info@jugendserver-saar.de