Landesjugendring Hamburg e.V.
Heft 2-2026, Rubrik Kommentar

(Frei-)Räume erhalten!

Von Jara Hamdorf, LJR-Vorsitzende

Jugendverbände brauchen Räume, um Freiräume für junge Menschen zu schaffen. Heime, Gruppenräume, Zeltplätze, Bildungsstätten – Orte, an denen junge Menschen sich treffen, lernen und an selbstgewählten Vorhaben wachsen können. Räume bieten für uns Jugendverbände die Grundlage, um überhaupt erst aktiv sein zu können. Schon heute kämpfen viele Hamburger Jugendverbände mit massiven Raumproblemen. Und in den kommenden Jahren wird sich diese Situation weiter verschärfen.

Schlaglichter. Die Ursachen sind vielfältig und treffen uns von allen Seiten. Diese punktum-Ausgabe beleuchtet exemplarische Problemlagen: Wachsende Verbände wie der Pfadfinder*innenbund Nord stehen vor der Herausforderung, dass neue Räume kaum finanziert werden können (S. 7). Schrumpfende Kirchengemeinden bedeuten für konfessionelle Pfadfinder*innen den drohenden Verlust ihrer angestammten und bisher kostenfreien Heimstätten – wie es die Entwicklungen bei der DPSG zeigen (S. 9). Das Bild zur Gesamtlage der Pfadfinderei in Hamburg zeichnet der Artikel »Gut, brüchig, prekär« (S. 4). 48 ihrer insgesamt 66 Standorte können aktuell kostenfrei genutzt werden. Was passiert, wenn diese Voraussetzung entfällt? Zudem fehlen häufig Investitionsmittel für dringend notwendige Bestandssanierungen nicht allein für »Pfadi-Heime«. Wie das Beispiel des Falken-Zeltplatzes auf Föhr zeigt (S. 14), übersteigt das notwendige Investitionsvolumen bestehende städtische Förderungstöpfe. Anders gelagert ist die Problematik bei der Sportjugend (S. 12): Der Zugang zu Schulsporthallen für den organisierten Kinder- und Jugendsport ist zwar geregelt – doch in der Praxis oft mit Tücken behaftet.

Wenn die Stadt Hamburg die Vielfalt jungen Engagements in über 60 Jugendverbänden zukunftsfest machen will, besteht hier elementarer Handlungsbedarf. Im Kleinen wie im Großen. Welcher Handlungsbedarf im Detail besteht, hat die letzte Vollversammlung des Landesjugendrings im Mai zur Aufgabe einer neu eingesetzten AG gemacht, die allen Jugendverbänden in Hamburg offen steht. 

Das grundsätzliche Problem. Der Landesförderplan »Jugend und Familie«, Grundlage der Jugendverbandsförderung in Hamburg, soll – so hören wir es aus der Politik – im kommenden Doppelhaushalt der Stadt Hamburg gedeckelt bleiben. Kein Zuwachs bedeutet unterm Strich, bei steigenden Kosten mit weniger Mitteln in der Jugendverbandsarbeit auskommen zu müssen. – Und was ist dann, wenn größere Herausforderungen wie die Raumfrage anstehen? 

Jugendverbände sind kein »Demokratie-Projekt«, das extra aufzulegen wäre. Jugendverbände sind als Teil der Zivilgesellschaft Teil gelebter Demokratie für junge Menschen. Wer die Resilienz der Demokratie stärken will, muss Freiräume zur Selbstorganisation junger Menschen erhalten und ausbauen. Womit wir wieder beim Thema »Räume erhalten!« sind … Denn ohne Räume gibt es keine Jugendverbandsarbeit!