Landesjugendring Hamburg e.V.
Heft 3+4-2018, Rubrik Vielfältige Jugendarbeit

Freiräume gemeinsam gestalten!

Ein Bericht von der Jubiläumsfeier der Trägervereine der Hamburger SJD – Die Falken

Von Oliver Stettner, SJD – Die Falken

Über mehrere Wochen hatten die Kinder des Kindergartens Falkennest für ihren Auftritt auf der Bühne in Planten und Blomen geprobt. Sie hatten sich mit den Rechten von Kindern beschäftigt und sich zusammen mit ihren Erziehern/innen überlegt, wie sie diese szenisch darstellen können. Kurz vor dem 22. September sind sie sogar von Billstedt zur Generalprobe zur Musikmuschel gefahren. Im gleichen Zeitraum saßen die Spielmobiler/innen des Falkenflitzer immer wieder zusammen, um sich tolle Mitmachaktivitäten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu überlegen, die in und um die Spielmobile angeboten werden sollten. Auch die Ehrenamtlichen des Zeltlagervereins »unsere welt« e.V. waren in den Sommermonaten auf Föhr und in Hamburg aktiv: Sie gestalteten eine multimediale Ausstellung zur Geschichte des Zeltlagerplatzes auf Föhr.

Anlass des regen Engagements und zugleich Motivation für viele zusätzliche Treffen der zahlreichen Ehren- und wenigen Hauptamtlichen war, dass alle drei zum Landesverband Hamburg der Sozialistischen Jugend – Die Falken gehörenden Vereine in diesem Jahr jeweils ein Jubiläum zu feiern hatten : Der Zeltlagerverein wurde vor 65 Jahren gegründet, der Kindergarten vor 50 Jahren, und vor 25 Jahren wurde der erste Falkenflitzer in Betrieb genommen.

Grund genug, zusammen zu feiern und dies auch öffentlich zu tun. Denn erstens besteht eine enge Verbindung aller Vereine untereinander und jeweils zum Landesverband der Hamburger Falken. Und zweitens verfolgen alle von Anfang an ein gemeinsames Ziel: Kindern und Jugendlichen (nicht nur) in und aus Hamburg ein ebenso vielfältiges wie anspruchsvolles Bildungs- und Freizeitangebot zu machen. Und das unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder materiellem Hintergrund.

Viel wurde in der Vorbereitung des Jubiläums auch darüber diskutiert, wofür die drei Vereine und die Falken noch heute stehen, woraus sich ihre Existenz und ihr politisches und pädagogisches Engagement weiterhin begründet und damit erforderlich macht. Mikesch Boucheri vom Landesvorstand der Falken Hamburg brachte dies in seinem Beitrag zur Eröffnung der Jubiläumsfeier folgendermaßen auf den Punkt: »Jugendverbände sind als Freiräume, in denen Demokratie erlernt und gelebt wird, unverzichtbar. Wo der Druck auf alles Nichtkonforme wächst, leben die Falken mit Gruppenarbeit und Bildungsangeboten vor, wie es anders gehen kann.«

Allen drei Vereinen ist gemeinsam, dass sie Kindern und Jugendlichen in ihrem Betätigungsfeld genau in diesem Sinn Freiräume bieten. Mit den Kindern und Jugendlichen setzen sich die Aktiven der Vereine für diese – durch die Entwicklungen beispielsweise in den Bereichen Schule, Wohnungsbau oder Freizeiten immer knapper werdende – Freiräume ein. Darüber hinaus werden ganz konkret Räume zur Verfügung gestellt: Räume für die Spiele der Kleinsten und für die Gruppenarbeit im Falkennest, ein Zeltlagerplatz für Kinder- und Jugendgruppen am Meer und mobile Räume in den Fahrzeugen des Falkenflitzers.

Ein Beleg für das beschriebene, gemeinsam geteilte Verständnis war, dass viele ehemals Aktive aus den Vereinen und unterschiedlichsten Falkengruppen der Einladung zum Jubiläum gefolgt waren. Auch seitens der anwesenden Vertreter/innen aus der Hamburger Politik und Verwaltung wurde dies anerkannt –sowie die Wirkung und die Notwendigkeit der vielfältigen politischen und pädagogischen Arbeit hervorgehoben. In den Glückwünschen des Hamburger Senats, die zum Auftakt des Festes von der Sozialsenatorin Melanie Leonhard übermittelt wurden, betonte diese, dass »die Arbeit der Falken und seiner Trägervereine gar nicht hoch genug geschätzt werden könne« und wusste aus persönlicher Erfahrung zu ergänzen : »Ich kenne eine Menge Menschen, aus deren Nachbarschaft der Falkenflitzer nicht wegzudenken ist. Die Kinder und Jugendlichen aus den Unterkünften für Geflüchtete danken es Euch bis heute.«

Nicht nur deshalb waren daher auch einige Kinder aus vom Falkenflitzer angefahrenen Unterkünften samt ihren Eltern zum Feiern nach Planten und Blomen gekommen. Serhat aus der Unterkunft in der Friesenstraße war begeistert, dass er an diesem Tag in gleich drei Spielmobilen spielen und aktiv sein konnte: »Ich wusste gar nicht, dass es drei blaue Flitzer gibt.«

Mit seinem Erstaunen war er an diesem Tag nicht alleine. Sogenannte Altfalken konnten sich zwar noch an so manche Mitstreiter/innen auf den Fotos des Zeltlagervereins oder den Infowänden der Hamburger Falken erinnern. Für viele war es aber neu, dass es bereits seit 50 Jahren einen Kindergarten gibt, der einst auf Anregung der damaligen Leiterin der Jugendbehörde Irma Keilhack von den Falken in Billstedt gegründet wurde. Das heute aus drei Elementar- und zwei Krippengruppen bestehende Falkennest hatte sich zum Jubiläum vorgenommen zu zeigen, dass es durchaus möglich und sinnvoll ist, bereits in der pädagogischen Arbeit mit Kleinkindern im Sinne der gemeinsam geteilten Ziele tätig zu sein.

Das Jubiläumsfest wurde am Abend mit einer Feier für alle Aktiven, deren Angehörigen und Freunden/innen beendet. In kurzen, in Teilen sehr persönlichen Ansprachen der Bundesvorsitzenden der SJD – Die Falken, Alma Kleen, des Leiters des Amtes für Familie und Kindertagesbetreuung, Dr. Bange, und der Landesvorsitzenden der Grünen in Hamburg, Anna Gallina, wurde die Arbeit der einzelnen Vereine und ihre gesellschaftliche Bedeutung noch einmal hervorgehoben. Ein leckeres Buffet sowie der emotionale Auftritt des Chors Hamburger Gewerkschafter/innen rundete die Jubiläumsfeier ab.

Ein Blick in das Rund des atmosphärisch ausgeleuchteten Zirkuszeltes zeigte eindrucksvoll, dass es keine Frage des Alters ist, sich weiterhin für Freiräume und eine Veränderung bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse zu engagieren. Und dass es auch keine Frage des Alters ist, gemeinsam zu feiern.


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Spielmobil Falkenflitzer

»Spiel ist immer mehr, als wir uns vorstellen können.«
»Spiel ist immer offen.«
»Spiel gab es schon, bevor Menschen die Sprache erfunden haben.«

Seit 25 Jahren ist der Verein zur Förderung der Jugendarbeit in der Spielmobilarbeit tätig. Mit den mittlerweile vier bunten Spielmobilen …
… werden Spielaktionen für Kinder in Unterkünften für Geflüchtete von 4 – 14 Jahren gestaltet;
… Stadtteilarbeit in Billstedt und Harburg (Projekt »Falkenflitzer Follows«) gemacht;
… werden Kinderfreizeiten organisiert;
… wird ein großer Spielgeräteverleih betrieben.

Drei der vier Spielmobile fahren ganzjährig im Auftrag der Stadt Hamburg in Unterkünfte für Geflüchtete und ermöglichen sinnvolle Freizeitgestaltung mit Bewegungsmöglichkeiten, Spiel und Sport, musischen und kulturellen Angeboten. Kinder werden in sozialen, motorischen, kognitiven, manuellen und kreativen Bereichen gestärkt. Sie erfahren, dass sie beim Falkenflitzer gern gesehen sind und akzeptiert werden. Die Kinder behalten und pflegen ihre eigene kulturelle Identität, lernen aber auch die regionale Lebensweise kennen. Spielerisch werden Grenzen überwunden, neue Beziehungen und gemeinsame Erfahrungen geschaffen. Mit mobilen Spielaktionen gewinnen Kinder Lebens-, Erfahrungs- und Spielräume zurück. Spielmobilarbeit fördert die Fähigkeit, Treffpunkte zu schaffen und zu gestalten, Räume kreativ anzueignen und negativen Entwicklungen im großstädtischen Lebensraum entgegenzuwirken.

Das Spielmobil ist Türöffner: In isolierten Stadtteillagen lebende Kinder und Jugendliche finden Zugänge zu vorhandenen Angeboten. Die räumliche, materielle und pädagogische Flexibilität eines Spielmobils ermöglicht ein an den Bedürfnissen der Kinder orientiertes Angebot.
In 25 Jahren wurden damit tausende Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu selbständig und demokratisch handelnden Erwachsenen begleitet.

Info : Verein zur Förderung der Jugendarbeit e.V. / Falkenflitzer | Neuhöfer Str. 23 | 21107 Hamburg | www.falkenflitzer.de | kontakt@falkenflitzer.de


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Zeltlagerverein »unsere welt«

Der Zeltlagerverein »unsere welt« wurde 1958 von Mitgliedern des Landesverbandes Hamburg der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken mit der Aufgabe gegründet, den Falken einen geeigneten Platz für ihre traditionelle Zeltlagerarbeit mit Kindern und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen. Seit 1963 besitzt er ein Wiesengelände mit eigenem Strand bei Nieblum auf Föhr, das inzwischen mehr als acht Hektar umfasst und auf dem seither fast 100.000 Kinder und Jugendliche zu Gast waren. Den Platz können auch andere Kinder- und Jugendorganisationen, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Kinder- und Jugendabteilungen von Sportvereinen sowie Schulklassen nutzen. Der Verein arbeitet gemeinnützig und nicht kommerziell. Er bewirtschaftet den Zeltlagerplatz ausschließlich in ehrenamtlicher Arbeit. Seine Mitglieder und ca. hundert Mitarbeiter/innen sorgen in ihrer Freizeit für den Unterhalt des Platzes und die Versorgung der Gäste. Viele verbringen in jedem Sommer zwei bis vier Wochen auf dem Platz – nach dem Motto: Einen Tag Arbeit für den Verein und einen Tag Freizeit. Nur so war die wirtschaftliche Führung des Platzes über all die Jahre möglich, nur so konnten auch die Eigenmittel erwirtschaftet werden, die neben öffentlichen Zuschüssen für die notwendigen Bau- und Reparaturmaßnahmen erforderlich waren.

Info : Zeltlagerverein »unsere welt« e.V. | Geschäftsstelle : Güntherstr. 34, 22087 Hamburg | Zeltlagerplatz : Meetsweg 8, 25938 Nieblum (Föhr) | www.zeltlagerverein.de | vorstand@zeltlagerverein.de


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Kindergarten Falkennest

Seit 50 Jahren gibt es den Kindergarten der Hamburger Falken. Er ist im Stadtteil Billstedt zuhause und hat sowohl seinen Namen als auch seinen Standort einige Male gewechselt, bevor er im Jahr 2013 bereits unter dem Namen Kindergarten Falkennest in den Öjendorfer Weg gezogen ist.
Die Entwicklung von einem Halbtagskindergarten mit 40 Plätzen, aus dem die Kinder um 12.00 Uhr noch zum Mittagessen abgeholt werden mussten, bis zur Kindertagesstätte für 85 Kinder im Alter von einem Jahr bis zur Einschulung ging einher mit dem gesellschaftlichen Auftrag, Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Heute hat sich das Falkennest im Stadtteil und darüber hinaus einen besonderen Ruf erarbeitet: Sowohl die betreuten Kinder und ihrer Sorgeberechtigten als auch die Zusammensetzung des Teams zeichnen sich durch eine große und bereichernde Vielfalt aus.
Das Falkennest hat sich zum Ziel gesetzt, in jeder Hinsicht eine inklusive Kita zu werden. Die Falkenpädagogik ist dabei der Leitfaden. Das halboffene Konzept verknüpft die für die Pädagogik wichtige Arbeit in der Gruppe mit dem Bedürfnis der Kinder, sich auch individuell in unterschiedlichen Funktionsbereichen selbstbestimmt ausprobieren zu dürfen. Zentrale pädagogische Grundlagen sind Partizipation und Mitbestimmung sowie die Kinderrechte.
Die Vorschulkinder nehmen regelmäßig als eigene Gruppe am Landescamp der Hamburger Falken teil. Die Räume des Falkennest stehen Falkengruppen und für Stadtteilinitiativen zur Verfügung.

Info : Kindergarten Falkennest (Träger : Falkenhaus Hamburg e.V.) | Öjendorfer Weg 32 | 22119 Hamburg | www.falkennest.de | kontakt@falkennest.de