Landesjugendring Hamburg e.V.
Heft 2-2016, Rubrik Titelthema

Das Beste bei Freizeiten? Die Mitarbeitenden!

Neue Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Evaluation von Freizeiten und Jugendbegegnungen

Von Wolfgang Ilg, Projektleitung Freizeitenevaluation

Ferienfreizeiten sind beliebt und zählen zu den Highlights der Jugend(verbands)arbeit. Aus wissenschaftlicher Perspektive galten sie lange als »Black Box«: kaum erforscht und in ihrer Bedeutung für Teilnehmende und Mitwirkende wenig durchleuchtet. Das Projekt Freizeitenevaluation fördert seit 2002 wichtige Erkenntnisse zu Tage. Die statistischen Auswertungen führen zu ganz praktischen Konsequenzen für die konkrete Arbeit – und zeigen auf, wie wertvoll das Arbeitsfeld für die Jugendlichen, aber auch für die Zukunft von Jugendverbänden ist.

Freizeiten und Begegnungen auswerten
Miteinander unterwegs sein – ein Markenzeichen der Jugendverbandsarbeit seit ihren Anfängen. Gemeinsame Fahrten üben noch immer eine hohe Anziehungskraft auf Jugendliche aus und bedeuten auch für viele Mitarbeitende das »Gravitationszentrum« ihres Engagements. Viele, die sich in der Jugendarbeit engagieren, berichten mit leuchtenden Augen von solchen Fahrten. Wie aber lassen sich die Erfahrungen auch wissenschaftlich beschreiben? Gibt es eine Möglichkeit, das Feedback der Jugendlichen in einer seriösen und umfassenden Weise einzuholen, ohne dass man hierfür allzu großen zeitlichen oder finanziellen Aufwand treiben muss?

Diese Fragen waren der Anlass dafür, dass vor über zehn Jahren das Forschungsprojekt Freizeitenevaluation gegründet wurde. Sein Anliegen ist es, ein wissenschaftlich solides, zugleich aber praxistaugliches und kostenfreies Verfahren zur Auswertung bereitzustellen. Mit Unterstützung zahlreicher Stellen wurde ein Standardverfahren zur Evaluation entwickelt, das allen interessierten Trägern kostenfrei bereit steht. Es ist einerseits für Kinder- und Jugendfreizeiten einsetzbar, andererseits für internationale Jugendbegegnungen – dafür steht es in Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch zur Verfügung. Zu Beginn der Fahrt geben die Mitarbeitenden Auskunft über ihre Zielsetzungen, am zweitletzten Freizeittag füllen die Teilnehmenden einen Fragebogen aus. Standardisierte Fragebögen mit Ergänzungsmöglichkeiten sowie ein Programm für die statistische Auswertung werden dafür bereit gestellt.

Die Auswertung dieser Fragebögen dient zunächst den Teams für ein detailliertes Feedback: Was ist uns gut gelungen? Wo haben wir Bedürfnisse übersehen? Wie könnten wir beim nächsten Mal die Jugendlichen noch besser in die Programmplanung einbeziehen? Für all diese Fragen bieten die Evaluationsdaten eine Hilfe – ohne dabei den Schrecken von Schulzeugnissen zu verbreiten. Denn die Auswertung der Daten wird, so ein Grundsatz des Forschungsprojekts, ausschließlich zur Qualitätssicherung verwendet und darf beispielsweise nicht als Kontrollinstrument von Zuschussgebern missbraucht werden.

Neben der örtlichen Auswertung helfen die Daten auch zur wissenschaftlichen Begleitung des Felds auf übergeordneter Ebene: Die Daten werden – die Bereitschaft des jeweiligen Trägers vorausgesetzt – in anonymer Form gesammelt und für die Bundesebene ausgewertet. Die neueste Auswertung der Daten wurde 2015 im Buch »Wenn einer eine Reise tut« veröffentlicht. Die zentralen Ergebnisse werden im Folgenden berichtet.

Ergebnisse zu Rahmenbedingungen und den Mitarbeitenden
Grundlage der hier vorgestellten Auswertungen sind die Fragebogenerhebungen bei Jugendfreizeiten und internationalen Jugendbegegnungen im Zeitraum von 2005 bis 2013. Die eingesandten Daten stammen von Jugendverbänden, aber auch von anderen Institutionen, beispielsweise von Kommunen, Kirchengemeinden, Sportgruppen oder Jugendtheatergruppen sowie vereinzelt von privatwirtschaftlich organisierten Jugendreiseveranstaltern, die zumeist Mitglieder beim Bundesforum Kinder- und Jugendreisen sind. Insgesamt wurden 25.105 Teilnehmer-Fragebögen und 3.236 Mitarbeiter-Fragebögen von 1.065 Jugendgruppenfahrten ausgewertet, davon handelt es sich bei 57% der Fahrten um Jugendfreizeiten und bei 43% um internationale Jugendbegegnungen. Dies ist (nicht nur bundesweit, sondern wohl auch international) der größte bislang verfügbare Datensatz zu diesem Arbeitsfeld. Zu beachten ist allerdings, dass der Anspruch eines repräsentativen Abbilds für alle Organisationen, die Jugendfreizeiten oder Jugendbegegnungen durchführen, nicht erhoben werden kann.

Mit Blick auf die Rahmenbedingungen gleichen sich Freizeiten und Begegnungen in vielerlei Hinsicht: Die typische Dauer liegt bei knapp zwei Wochen, die Gruppengröße besteht aus ca. 25 bis 30 Jugendlichen mit zumeist etwa fünf Mitarbeitenden. Bei den Zielländern der Maßnahmen handelt es sich neben Deutschland fast durchweg um europäische Länder. Bei den Freizeiten sind dies bevorzugt die Mittelmeerländer Frankreich, Italien und Spanien. Bei den Jugendbegegnungen liegt neben Frankreich ein Schwerpunkt auf Osteuropa bzw. Russland.

Die (zumeist ehrenamtlichen) Mitarbeitenden sind in der Regel zwischen 18 und 30 Jahre alt, wobei insbesondere bei Jugendbegegnungen in einigen Fällen auch deutlich ältere Mitarbeitende mit dabei sind. Frauen sind etwas häufiger engagiert als Männer. Mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden verfügt über die Jugendleitercard (Juleica), wobei sich ein deutlicher Trend abzeichnet, dass die Juleica bei jüngeren Mitarbeitenden noch öfter vorhanden ist als bei älteren Mitarbeitenden. Die Vorerfahrung der Teamer/innen ist hoch: Vier Fünftel der Mitarbeitenden bei Freizeiten und drei Viertel der Mitarbeitenden bei Begegnungen arbeiten zum wiederholten Male bei einer solchen Maßnahme mit.

Ergebnisse zu den Jugendlichen
Bei den Jugendlichen sind (insbesondere im Bereich der Begegnungen) Mädchen häufiger vertreten als Jungen, dennoch sind fast alle Jugendgruppenfahrten mit gemischtgeschlechtlichen Gruppen unterwegs. Das Durchschnittsalter bei Jugendfreizeiten liegt bei 14,4 Jahren, während Teilnehmende von Begegnungen im Schnitt 17,6 Jahre und damit mehr als drei Jahre älter sind. Bei beiden Fahrtentypen besucht deutlich mehr als die Hälfte der Jugendlichen das Gymnasium, Hauptschüler/innen machen jeweils weniger als 5% aus. Bei den Freizeiten geben 88% der Jugendlichen an, dass beide Eltern in Deutschland geboren sind, der Migrantenanteil ist also deutlich geringer als im Bevölkerungsdurchschnitt. Unter den Jugendlichen zeigt sich wie bei den Mitarbeitenden eine hohe Wiederholungstendenz zu weiteren Freizeiten oder Begegnungen. Dennoch sind unter den Erstteilnehmern Jugendliche aller Altersgruppen zu finden: Was »Hänschen« nicht gelernt hat, kann für »Hans« immer noch reizvoll sein. Möglicherweise wurde in den letzten Jahren der Fokus zu sehr auf die Gruppe der Kinder gelegt und die »Kernzielgruppe« der Jugendlichen, die 14- bis 17-Jährigen, etwas aus den Augen verloren. Die Daten zeigen jedoch, dass ein Einstieg in das Feld der Gruppenfahrten durchaus noch im Jugendalter möglich ist – ein Hinweis, dass sich hier auch gezielte Werbung für »Neue« außerhalb des angestammten Dunstkreises des Jugendverbands lohnt.

Eine erstaunliche Erkenntnis ist, dass für mehr als die Hälfte der Teilnehmenden die Fahrt eine Erstbegegnung mit dem jeweiligen Land bedeutet. Wie der in Abb. 1) abgedruckte Vergleich ausgewählter Items zeigt, wird dieses interkulturelle Bildungspotenzial allerdings bei Begegnungen deutlich stärker genutzt als bei Freizeiten: Die Zielsetzungen der Freizeitmitarbeitenden fokussieren oft (zu) sehr auf die Gruppenprozesse und vernachlässigen tendenziell die Bildungsaspekte, die sich aus der Begegnung mit einem fremden Land bzw. einer anderen Sprache ergeben. Das schlägt sich in den Rückmeldungen der Jugendlichen nieder: Nur ein Drittel der Jugendlichen bei Auslandsfreizeiten verbessern ihre Sprachkenntnisse, bei Begegnungen sind es dagegen drei von vier Jugendlichen. Internationale Jugendbegegnungen sind also gegenüber Jugendfreizeiten dadurch gekennzeichnet, dass sie der interkulturellen Bildung und dem Sprachenlernen deutlich mehr Gewicht einräumen was mit entsprechend stärkeren Effekten in diesen Bereichen verbunden ist. Dennoch zeigen auch die Ergebnisse der Freizeiten, dass hier keinesfalls nur Erholung gesucht wird, vielmehr ergeben sich wichtige Erfahrungen im Sinne informeller Bildungsprozesse »nebenher« im alltäglichen Miteinander und im Erleben der Gastregion.

 

Vielfältige Bildungspotenziale
Die Rückmeldungen der Jugendlichen stellen den hier untersuchten Jugendgruppenfahrten insgesamt ein sehr positives Zeugnis aus. Besonders positiv bewertet werden Aspekte des sozialen Lernens wie Spaß, Mitarbeitende, Gruppe und Atmosphäre sowohl bei Freizeiten als auch bei Begegnungen. Viele der ausgewerteten Einzelaspekte verdeutlichen die Vielfalt der Lern- und Bildungspotenziale bei Jugendgruppenfahrten. Dazu gehören beispielsweise Anstöße für die Persönlichkeitsentwicklung, für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft, für politische Impulse (vor allem bei Begegnungen), der Austausch mit den Mitarbeitenden, die Erschließung neuer Interessen und Handlungsfelder sowie vielfältige Aspekte des sozialen Lernens. 86% der Freizeit-Teilnehmenden und 89% der Teilnehmenden bei Begegnungen würden eine solche Fahrt ihren Freunden/innen weiterempfehlen. Das zivilgesellschaftliche bzw. ehrenamtliche Potenzial der Jugendgruppenfahrten wird in der Rückmeldung auf die Aussage deutlich »Ich habe Lust bekommen, selbst einmal Betreuer/in bei einer solchen Freizeit/Begegnung zu sein«: Jeweils mehr als die Hälfte der Befragten kann sich eine solche, in der Regel ehrenamtliche, Tätigkeit vorstellen.

Wenn Alter und Geschlecht als Einflussvariablen für verschiedene Auswirkungen von Jugendgruppenfahrten untersucht werden, zeigen sich bezogen auf das Alter nur wenige Zusammenhänge mit den Rückmeldungen der Jugendlichen: Am stärksten ist hier der Zusammenhang bei der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Fragen zu verzeichnen, der bei älteren Jugendlichen deutlich stärker zu Tage tritt. Hinsichtlich der Geschlechterunterschiede zeigen sich dagegen deutliche Effekte: Insgesamt berichten die Mädchen weit mehr als die Jungen von Erfahrungen im sozialen und kommunikativen Bereich. Allerdings ist bei der Interpretation dieser Ergebnisse zu fragen, inwiefern sich bei solchen Effekten auch unausgesprochene Rollenzuschreibungen auswirken.

Ein zentrales Thema bleibt die Diversität: Einerseits bieten Jugendgruppenfahrten mit einer prinzipiell alters- und herkunftsgemischten Gruppe große pädagogische Vorteile gegenüber den deutlich homogeneren Gruppen beispielsweise einer Schulklasse oder auch einer Jugendfußballmannschaft. Andererseits verdeutlichen die Daten, dass es bislang zu wenig gelingt, Jugendliche unterschiedlichster gesellschaftlicher Herkunft zur Beteiligung zu gewinnen. So sind Jugendliche mit Migrationshintergrund bislang wenig vertreten. Jugendliche, die ein Gymnasium besuchen, reisen häufiger als es deren Anteil in der Kohorte der Jugendlichen entspricht. Die Gratwanderung für die Jugendverbände besteht darin, einerseits ihrer Tradition der »Gesellung Gleichgesinnter« gerecht zu werden, andererseits aber die Öffnung für andere Milieus konzeptionell voranzutreiben. Die hier vorgestellten Ergebnisse sprechen dafür (auch wenn das nicht neu ist), dass die angenommenen positiven Erfahrungen, die bei Freizeiten und Begegnungen gemacht werden können, sich nicht von selbst einstellen, sondern das Setting hoch voraussetzungsvoll ist. Differenzsensible Jugendarbeit bedarf einer qualifizierten pädagogischen Reflexion und muss beispielsweise bei Fortbildungen für Teamer/innen thematisiert werden. Dies gilt umso mehr für die Frage inklusiver Fahrten, bei denen aktuell sehr erfreuliche konzeptionelle Entwicklungen vorangetrieben werden.

 

Ein Indikator für Qualität: Der Betreuungsschlüssel
Die wohl weitreichendste Erkenntnis der Datenauswertung besteht darin, dass mit dem Betreuungsschlüssel ein empirisch fassbarer Indikator für die Qualität einer Jugendgruppenfahrt identifiziert werden konnte. Abb. 2) verdeutlicht die großen Unterschiede beim Betreuungsschlüssel (wobei selbst die am wenigsten betreuten Maßnahmen noch einen deutlich intensiveren Schlüssel aufweisen als das Zahlenverhältnis in der Schule, wo typischerweise eine Lehrkraft auf ca. 25 Schüler kommt). Erstaunlich ist, wie stark der Betreuungsschlüssel mit einer Fülle von Ergebnissen der Evaluation zusammenhängt: Ein intensiver Betreuungsschlüssel (errechnet als die Zahl der Teilnehmenden, die durchschnittlich auf einen Mitarbeitenden kommen) korreliert durchweg mit positiven Rückmeldungen der Jugendlichen sowie mit pädagogisch wünschenswerten Effekten. Dieser Zusammenhang gilt sowohl für die Zufriedenheitsbewertungen als auch für viele Einzeleffekte, insbesondere im Bereich des sozialen Lernens. Ebenso steigt mit einem intensiven Betreuungsschlüssel auch die Bereitschaft der Jugendlichen, selbst einmal als Mitarbeitende/r eine Freizeit oder Begegnung zu begleiten: Erlebte pädagogische Qualität macht offensichtlich Appetit auf ein eigenes Engagement. Im Gegenzug zeigen Fahrten mit wenigen Mitarbeitenden erhöhte Werte bei Rückmeldungen zu verstärkter Langeweile, zu stärkerem Alkohol- und Nikotin-Konsum usw. Abb. 3) beschreibt einige markante Unterschiede für zwei Kontrastruppen (Freizeiten mit einem Betreuungsschlüssel von bis zu 4 versus einem Betreuungsschlüssel von 10 und mehr). Dieser Zusammenhang konnte erstmals empirisch nachgewiesen werden, weil er sich auf Ebene der einzelnen Fahrten bewegt und dafür eine große Zahl ausgewerteter Maßnahmen als Datengrundlage benötigt. Überraschend erscheinen diese Erkenntnisse jedoch nicht. Die Frage, wie die Jugendlichen »ihre« Mitarbeitenden sehen, wird im Fragebogen durch verschiedene Items abgefragt. 90% der Teilnehmenden von Freizeiten und sogar 96% der Teilnehmenden bei Begegnungen stimmen der Aussage zu »Die meisten Betreuer/innen waren mir sympathisch«; 64% bzw. 73% bezeichnen einige der Mitarbeitenden sogar als »Vertrauenspersonen«.

 

Angesichts dieser Ergebnisse sollte der Betreuungsschlüssel zukünftig als ein zentrales Maß für die pädagogische Qualität von Jugendgruppenfahrten angesehen werden. Nimmt man diese Erkenntnis ernst, könnte eine konkrete Aufforderung an die Träger von Jugendgruppenfahrten lauten, dass sie für jede Maßnahme in der Ausschreibung den Betreuungsschlüssel klar benennen, auch um den Eltern eine Orientierung und Entscheidungshilfe zu bieten. Zudem wäre zu bedenken, ob zukünftige Fördersystematiken nicht einen guten Betreuungsschlüssel bewusst auch finanziell unterstützen sollten, um Anreize zu einer intensiven pädagogischen Begleitung zu schaffen. Bislang werden Mitarbeitende bei Jugendfreizeiten von den Ländern oft nur mit einem Schlüssel von etwa 1 zu 10 gefördert, obwohl die hier vorgelegten Daten zeigen, dass im Durchschnitt ein Betreuungsschlüssel von etwa 1 Teamer auf 6 Teilnehmende realisiert wird.

Perspektiven für die Evaluation
Ein besonderer Gewinn des von der Freizeitenevaluation etablierten Prinzips der vernetzten Selbstevaluation liegt in der kontinuierlichen Erfassung von Daten. Allerdings werden auch die Grenzen der bisherigen Form der Datensammlung deutlich: Die bisherige Datenauswertung enthält alle eingesandten Daten, unabhängig von der Zusammensetzung der beteiligten Träger in den jeweiligen Jahren. Ob Veränderungen im Zeitlauf auf Veränderungen bei den Jugendlichen insgesamt oder auf das jeweils unterschiedlich zusammengesetzte Sample zurückzuführen sind, kann daher nicht gesagt werden. Ein Ausweg, der aus wissenschaftlicher Sicht für die Weiterarbeit empfehlenswert wäre, liegt in der Begründung eines festen Samples im Sinne einer Panel-Studie. Auf diese Weise könnten von Jahr zu Jahr vergleichbare Daten gewonnen und im Sinne eines kontinuierlichen Monitoring mit überschaubarem finanziellem und personellem Aufwand ausgewertet werden. Im Zuge der derzeit anlaufenden Zugangsstudie »Warum nicht? Studie zum Internationalen Jugendaustausch: Zugänge und Barrieren« haben das Bundesjugendministerium sowie die Robert-Bosch-Stiftung dem Forschungsverbund Technische Hochschule Köln/Freizeitenevaluation die Anschubfinanzierung für eine solche Panel-Studie im Feld internationaler Jugendbegegnungen gewährt. Aktuelle Informationen zu dieser Studie finden sich unter www.zugangsstudie.de.

Insgesamt zeigen die bislang ausgewerteten Daten das enorme Potenzial, das sich aus der Analyse einer solchen umfangreichen Datensammlung ergibt. Das Forschungsprojekt Freizeitenevaluation/Evaluation Internationaler Jugendbegegnungen hat mit den hier ausgewerteten Fragebögen einen der größten Datensätze der gegenwärtigen Jugendforschung hervorgebracht. Die Perspektiven für die Fortsetzung dieser Forschung stehen (trotz ständig ungewisser Finanzierungsfragen) aktuell sehr positiv: Insbesondere das Deutsch-Französische Jugendwerk, das Deutsch-Polnische Jugendwerk und IJAB engagieren sich derzeit intensiv für die neue Online-Plattform i-EVAL. Mit dieser neuen technischen Oberfläche kann das etwas »altersschwache« bisherige Computerprogramm »GrafStat« abgelöst und durch eine Online-Anwendung ersetzt werden. Für Träger, die neu in die Evaluation einsteigen wollen, bietet sich das Jahr 2017 als Start für die Etablierung einer eigenen Evaluationskultur mit dem bundesweiten Standardverfahren an.

Thesen
Evaluation von Freizeiten und Jugendbegegnungen hat ein doppeltes Ziel: Die selbstkritische Begleitung des pädagogischen Handelns durch das Ernstnehmen der Rückmeldungen aller Beteiligten – und die Sichtbarmachung des Guten, was bei solchen Fahrten passiert, auch im öffentlichen Raum. Vier abschließende Thesen benennen exemplarische Chancen und Herausforderungen:

1) Freizeiten sind eine Perle der Jugendarbeit. Ihr wesentliches Potenzial liegt in Aspekten der Gemeinschaft.
2)
Bei aller Konzentration auf Kinderfreizeiten: Jugendliche dürfen – auch als neu ansprechbare Zielgruppe – nicht vergessen werden. Zugangsbarrieren müssen untersucht und abgebaut werden.
3) Die Potenziale für interkulturelle Bildung liegen bei etlichen Freizeiten brach – im Gegensatz zu internationalen Begegnungen.
4) Der Betreuungsschlüssel ist als zentraler Qualitätsindikator für Freizeiten ernst zu nehmen. Hier liegen wichtige Implikationen für Konzeption, Zuschüsse und Öffentlichkeitsarbeit.