Landesjugendring Hamburg e.V.
Heft 2-2013, Rubrik Vielfältige Jugendarbeit

»In der Praxis das, was in Reden beschworen wird«

Deutscher Nationalpreis 2013 an Jugendfeuerwehren verliehen

Von Henrik Strate, Jugendfeuerwehr Hamburg

Im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses wurde am 6. Juni den bundesweit 18.000 Jugendfeuerwehren der Deutsche Nationalpreis 2013 von Hamburgs Ehrenbürger Helmut Schmidt verliehen.

Mit dem Preis würdigt die Deutsche Nationalstiftung das ehrenamtliche Engagement und die gesellschaftliche Integrationsleistung der Jugendfeuerwehren. Stellvertretend für die 240.000 Mädchen und Jungen in den Jugendfeuerwehren nahmen aus jedem Bundesland vier Vertreter an der Preisverleihung teil.

Ein Heimspiel gab es für den Hamburger Landesjugendsprecher und gleichzeitig Bundesjugendsprecher, Erik Krüger. Er nahm gemeinsam mit Landesjugendsprecher Hermon Zighita (Hamburg) und Landesjugendsprecherin Jasmin Wrede (Niedersachen) den Preis stellvertretend entgegen und sprach die Dankesrede.

Vorbilder. Nach einem Grußwort von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz, der auch auf die aktuelle Einsatzlage in Deutschland mit zahlreichen Kräften der Freiwilligen Feuerwehren aus dem ganzen Land einging, sprach der
Initiator und Ehrenvorsitzende der Nationalstiftung, Helmut Schmidt. Der ehemalige deutsche Bundeskanzler und Hamburger Innensenator während der Sturmflut 1962 konnte von eigenen Eindrücken von der Jugendfeuerwehr berichten und sagte: »Sie haben die Auszeichnung mit dem Deutschen Nationalpreis wirklich verdient.« Feuerwehrleute seien die »zuverlässigsten und vertrauenswürdigsten Diener am öffentlichen Wohl.« Und er sagte weiter: »Wir alle aber, wir müssen wissen: Unsere Gesellschaft ist auf ehrenamtlich tätige Menschen angewiesen. Und lassen Sie uns deshalb nicht vergessen, den ehrenamtlich Tätigen, heute hier repräsentiert durch Vertreter der Jugendfeuerwehren, zu danken für ihren selbstlosen Einsatz. Die Deutschen Jugendfeuerwehren erweisen uns allen einen großen Dienst. Ihre Mitglieder sind Vorbilder für andere junge Menschen.«

Integration und Zivilgesellschaft. In ihrer Laudatio sagte die Publizistin Dr. Necla Kelek: »Mit diesem Preis wird nicht nur der Mut vieler Freiwilliger Feuerwehrleute ausgezeichnet, sondern wir zeichnen uns als Gesellschaft auch selber aus. Denn diese jungen engagierten Menschen verkörpern etwas, was unsere Gesellschaft ausmacht und braucht. Hier übernehmen junge Menschen persönlich Verantwortung, ja riskieren etwas, investieren Zeit und Können, engagieren sich in der Gemeinschaft für die Gesellschaft. Sie verkörpern in der Praxis das, was in Reden beschworen und oft zerredet wird, nämlich dass es sich bei der verfassten Gesellschaft in Deutschland und Europa um eine besondere Form von entwickelter Zivilgesellschaft handelt. Diese sind keine Zweck-, auch keine Not-, sondern eine Wertegemeinschaft.«

Zwar sei das deutsche Jugendverbandsleben, egal ob politisch, sozial oder sportlich orientiert, vielen Migranten immer noch fremd. Doch gerade für türkische Jungen, die sich oft als nicht dazugehörig fühlten, wäre ein Engagement in der Jugendfeuerwehr eine großartige Möglichkeit, ein Schritt auf die Gemeinschaft zuzugehen. »Wenn von türkischen Migrantenvereinen und Lobbyisten immer Teilhabe, Partizipation eingefordert wird, kann ich nur sagen: Bei den Feuerwehren stehen die Türen offen.« Kelek forderte die Jugendfeuerwehr auf, selbst aber auch auf die Migranten zuzugehen. »Gehen Sie in die Schulen, zeigen Sie ihre Autos und Spritzen, Ihr Können und Ihren Spaß. Sie werden sehen, wie die Augen auch dieser Jungs und Mädchen leuchten werden«, meinte Kelek und ergänzte: »Gehen Sie in die Moscheen und zeigen, dass Sie sich auch für den Schutz dieser Räume verantwortlich fühlen.«

Vielfalt und Engagement. »Wir freuen uns sehr darüber, dass der Preis an jede Jugendfeuerwehr geht«, bedankte sich Erik Krüger, Bundesjugendsprecher der Deutschen Jugendfeuerwehr im Namen der Kinder und Jugendlichen. »Damit wird ein Zeichen für unser Engagement und das der ehrenamtlichen Betreuer gesetzt, die uns dieses Hobby ermöglichen. Die Jugendfeuerwehren sind der beste Beweis dafür, dass gesellschaftliches Engagement wichtig ist und Spaß macht. Unsere größten Stärken sind die Vielfalt unserer Mitglieder und die zahlreichen Aktivitäten, die Jugendfeuerwehr ausmachen.«

Johann Peter Schäfer, Bundesjugendleiter der Deutschen Jugendfeuerwehr ergänzte: »Wir sind stolz, dass die Deutsche Nationalstiftung mit dem Preis das ehrenamtliche Engagement für und von Kindern und Jugendlichen würdigt. Der Preis trägt dazu bei, dieses Engagement in der Öffentlichkeit noch sichtbarer zu machen und die Wertschätzung dafür zu stärken. Eine funktionierende Gesellschaft braucht soziale Kompetenzen und bindet auch Außenstehende ein, beides lernen die Mädchen und Jungen in den Jugendfeuerwehren. Neben dem Spaß, den sie dort mit Freunden haben, trägt dieses Hobby so zur Persönlichkeitsentwicklung bei und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.«

Der Deutsche Nationalpreis ist mit 50.000 € dotiert. Die Deutsche Jugendfeuerwehr wird dieses Geld aus Anlass des 50-jähigen Bestehens im Jahr 2014 für die Aufbereitung der Geschichte der Jugendfeuerwehrarbeit in Deutschland nutzen. Zum anderen wird das Preisgeld eingesetzt, um die Jugendfeuerwehren noch bekannter zu machen. Insbesondere die Nachwuchsgewinnung und Imagewerbung ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels für die Jugendfeuerwehr von besonderer Bedeutung.